Veranstaltung mit Referent_innen aus Honduras

Nach dem Putsch in Honduras:

Welche Chancen bleiben der Demokratiebewegung?

Diskussionsveranstaltung mit Referent_innen aus Honduras:

Bertha Oliva
Gründerin und Leiterin der unabhängigen honduranischen Menschenrechtsorganisation COFADEH

Jesús Garza
technischer Koordinator von CHAAC, einer zivilgesellschaftlichen Aktionsgruppe gegen die Freihandelsabkommen mit den USA und Europa

Donnerstag

den 4. März 2010

19:30 Uhr – Raum 211/212

EineWeltHaus München

Schwanthaler Str. 80

Eintritt frei

Massive Verletzungen der Menschenrechte bei der Unterdrückung der
Demokratiebewegung waren die Folge des Putsches gegen die Regierung Zelaya
vom 28. Juni 2009. Ein Putsch, der sich trotz formaler internationaler
Verurteilung durchsetzen konnte und jetzt, nach der Regierungsübernahme
durch Porfirio Lobo Sosa, eine nationale und internationale Legitimierung
anstrebt. Die zivilgesellschaftliche Opposition dagegen hält an ihrer
Forderung nach einer grundlegenden Verfassungsreform fest.

Die Industrieländer sind daran interessiert, die bisherige Isolierung
Honduras‘ aufzugeben, um beispielsweise die seit dem Putsch auf Eis
gelegten Verhandlungen über Assoziierungsabkommen zwischen der EU und
Zentralamerika wieder aufnehmen zu können. Lobos Proklamationen einer
Politik der vermeintlichen ″nationalen Versöhnung″ passen hierbei gut
ins Konzept. Für den im März in Spanien stattfindenden
EU-Lateinamerika-Gipfel werden entsprechende Entscheidungen erwartet. Lobo
ist dazu eingeladen.

Die Verfolgung der Menschenrechtsverletzungen seit dem Putsch gehört nicht
zur Agenda der neuen Regierung. Noch kurz vor seinem Abgang wurde
Putsch-Präsident Roberto Micheletti zum Abgeordneten auf Lebenszeit
ernannt, um ihn so vor Strafverfolgung zu schützen. Auch erste
Untersuchungen gegen die am Putsch beteiligten Obersten Militärs wurden
wieder eingestellt. Die Verantwortlichen sollen straffrei davon kommen und
parallel werden auch unter der Regierung Lobo Mitglieder der
Demokratiebewegung und die Menschenrechtsaktivist_innen weiter zum Ziel von
Einschüchterung und Gewalt bis hin zu gezielten Morden.

Die beiden Gäste aus Honduras werden uns über die aktuellen Entwicklungen
im Land berichten. Wir wollen darüber debattieren, welche Möglichkeiten
wir in Deutschland haben, die sozialen Bewegungen in Honduras aktuell zu
unterstützen und die umfassende Aufklärung und strafrechtliche Verfolgung
der Menschenrechtsverletzungen zu veranlassen.

Zu den Referenten:

Bertha Oliva de Nativí ist eine honduranische Menschenrechtsverteidigerin.
Sie ist Koordinatorin bei der „Comité de Familiares de Detenidos
Desaparecidos en Honduras“ (COFADEH).

Die zentrale Aufgabe der COFADEH ist der Kampf gegen die Straflosigkeit und
eine Wiederbelebung der kollektiven Erinnerung an das
„Verschwindenlassen“. Jeden Monat treffen sich die Mitglieder der
Organisation vor dem nationalen Kongressgebäude und fordern ein Ende zur
Straflosigkeit und mehr Gerechtigkeit für die „Verschwundenen“.
COFADEH setzt sich auch für Opfer von schweren Menschenrechtsverletzungen
ein; Die Organisation untersucht und dokumentiert Fälle, fördert
Menschenrechtsbildung, und arbeitet zusammen mit anderen Organisationen in
diesem Feld. COFADEH hat beträchtlich zur Demilitarisierung und
Demokratisierung von Honduras beigetragen. Die Bedeutung ihrer Arbeit hat
seit dem Militärputsch im Juni 2009 drastisch zugenommen; COFADEH hat
seitdem Tausende von Menschenrechtsverletzungen durch das illegale Regime
dokumentiert.

Jesús Garza ist ein Menschenrechtsaktivist in Honduras. Er arbeitet als
technischer Koordinator der honduranischen Koalition der Bürgeraktion,
CHAAC (Coalición Hondureña de Acción Ciudadana). Er ist auch aktiv in der
Widerstandsfront gegen den Militärputsch in Honduras (Frente Nacional
contra el Golpe de Estado en Honduras). Zuvor war er mehrere Jahre
Generalsekretär der honduranischen FIAN-Sektion, zwischen 2004 und 2008
Mitglied im Vorstand der internationalen der Menschenrechtsorganisation
FIAN (Food First Information and Action Network).

CHAAC ist ein Bündnis zivilgesellschaftlicher Organisationen, das sich
durch Koordinierung und Dialog für wirtschaftliche Solidarität einsetzt.
Das soziale Netzwerk schlägt wirtschaftliche, politische und soziale
Alternativen vor und hat in den vergangenen Jahren intensiv zu den
Verhandlungen über ein Assoziierungsabkommen zwischen Zentralamerika und
der Europäischen Union gearbeitet.

Die Widerstandsfront gegen den Militärputsch in Honduras ist eine breite
Koalition von honduranischen Organisationen, politischen Parteien und
sozialen Bewegungen, die durch Methoden des zivilen Ungehorsams die
Demokratie in Honduras wiederherstellen wollen.

Aufrufende Organisationen:

Venezuela Avanza München

Ökumenisches Büro für Frieden und Gerechtigkeit

FIAN München

Kurt-Eisner-Verein/Rosa-Luxemburg-Stiftung